Implikation-Explikation

2007

Sabine Müller-Funk: Implikation-ExplikationSabine Müller-Funk: Implikation-Explikation
Sabine Müller-Funk: Implikation-ExplikationSabine Müller-Funk: Implikation-Explikation

„Schnittstellen” Laserdrucke auf Bütten 60 x 80 cm

Zusammengefaltet – auseinandergefaltet
Implicatio – Explicatio

„Lange genug sich in sich selbst zurück gezogen, zu kompakten, streng geplanten Körpern verdichtet,
eingeatmet
Lust auf Ausbreitung, sich in der Fläche zu auszubreiten, auszuatmen.” (SMF, 0405)

Zusammenfalten

Die geschichteten Skulpturen, (aus der Serie Speicherglas) sind aus großen zusammenhängenden Schriftplatten aus Glas entstanden, die auseinander geschnitten und lose übereinander gestapelt werden.
Die entstehenden, jetzt der Skulptur innewohnenden Formen korrespondieren mit den ursprünglichen, flächigen, zunächst nur über die Erinnerung. Die Zeit wird auf diese Weise gedehnt, der Raum zusammengezogen.

Auseinanderfalten

Die Glasstücke werden wieder zu einer Länge von dreieinhalb Metern auseinandergefaltet und bilden das Ausgangsmaterial für Tiefdruckcollagen, Siebdruck, Laserdruckcollagen.
Die jetzt flächigen Formen korrespondieren wiederum mit denen der Skulptur innewohnenden nur über die Erinnerung, die immer etwas sehr Subjektives, Emotionales darstellt. Diese Formen werden spontan farblich mit dem Medium des Pinsels (als Gegensatz zum „intellektuellen” Gravurinstrument) erinnert.
Dieses Sich-Öffnen der Schrift zum Flächigen korrespondiert mit den Asphaltschriftaktionen, die ich auch als ein sehr körperbetontes, spontanes Auf-die-Fläche-der-Straße-Reagieren begreife.

(SMF 2005)

Schnittstellen
Implikation – Explikation
Wien, Literaturhaus

Fragmentierung und Zerschneidung von Schrift. Hierbei setzte ich meine Arbeit an und mit Schrift, wie ich sie in dem Projekt „Speicherglas” (Wien, Czernin Verlag 2006) exemplarisch vorgetragen habe, fort.
Schrift wird dabei zur Metapher für Kommunikation und Mnemosyne – einem Spiel zwischen Mitteilung und ihrer Annullierung. Der Verlust von Lesbarkeit lässt die Schrift in ihrer bloßen Visualität und Rätselhaftigkeit sichtbar werden. Signifikanten ohne Signifikate: Die Arbeiten unterliegen dabei der Spannung zwischen Implikation und Explikation. Implikation meint den Akt des Sich-Verbergens und Sich-Entziehens, den Prozess der Ein- und Zusammenfaltung der nach innen gerichteten und verdichteten Schrift, Explikation hingegen den Vorgang des Sich-Zeigens und Sich-Entblößens, die Bewegung des Auseinander-Faltens und Sich-Öffnens.

(SMF 2007)