Membranen – Schleier – Übergänge

In meinen Arbeiten habe ich Glas immer schon gesehen als Membranschicht für den Blick, als Medium der Reflexion über menschliche Wahrnehmung an sich, wobei ich eine Membrane als Zone des Übergangs, des Durchgangs, der Öffnung, der Durchlässigkeit zwischen dem Davor und dem Dahinter, zwischen dem Eigenen und dem Fremden definieren möchte.
Die Haut als Wahrnehmungorgan dafür, als Membranschicht zwischen dem Innen und Außen, dem Verschließen und dem Öffnen zum Anderen hin (Merleau Ponty).
Das hin und her pendelnde Bewußtsein verwebt über diese Membrane hinweg Subjekt und Objekt, stellt Kommunikation her, „vernäht” das Ich mit der Welt, gleichzeitig entsteht aber über das Bewußtmachen dieses Prozesses das Paradox für ein Bewußtsein des Getrenntseins.
Der hin und her schweifende Blick, der die Membrane durchdringt und entweder auf das Davor, das Dahinter oder auf die Membrane selbst fokussiert, verwebt über die Membrane hinweg ebenfalls Subjekt und Objekt. Ich betrachte den Blick, das Schauen, das Betrachten immer mehr als eine sich selbst erzeugende Membrane, zwischen mir und dem Anderen.
Das Sprechen zum Anderen, mit dem Anderen, betrachte ich unter dem selben Blickwinkel: das Sprechen erzeugt eine Membrane, ein Raumnetz aus „gerichteter” Kommunikation, Wahrnehmung, die gleichermaßen, als Sphäre des Übergangs, ebenso trennt wie sie verbindet.
„Es (entsteht) eine Leere, die nicht Nichts ist, sondern eine auszufüllende Leere, (es ist) eine bestimmbare Unbestimmtheit” – Edmund Husserl, Analysen zur passiven Synthesis.

Die Teheran-Membranen erzeugen durch mehrere feingewebte Schleier, Schichten aus Texten, die sich mit diesem Thema beschäftigen – die beiden jeweils gleichberechtigten Seiten präsentieren den Text in verschiedenen Ausprägungen/Übersetzungen, verweben Texte von mir mit denen des persischen Mystikers Rumi („Nie ist, wer liebt, allein”), setzen diese Paradoxe auf die entgegengesetzte Seiten der jeweiligen Membrane, wobei die Schrift, die aus gesiebter Teheraner Erde besteht, in verschiedenen Anordnungen Öffnung oder Verdichtung repräsentiert, einmal zueinander gekehrt ist oder sich nach außen öffnet.

Auf die erste und die letzte der 4 Membranen werden zwei Videos projiziert , die das Thema des Schauens/looking und des Sprechens/your words aufnimmt:
Das eine Video zeigt ein Auge, exemplarisch für den menschlichen Blick,
das andere einen Mund, der den Text einer Membrane spricht:
„Durch die Membrane deiner Worte schaue ich dich an.”

(SMF, Teheran, Sommer 2011)