Trans

2000

Sabine Müller-Funk: Trans

„Gibt es vielleicht eine Tür, die er nicht bemerkt hat? Gibt es dort eine glatte Wand, wo die zwei Fenster sind?” (Maurice Blanchot)

Zwei Torflügel eines Stadttores für die EXPO 2000 in Hannover

Den Ausgangspunkt für TRANS bildet das Thema des historischen Stadttores. Das Tor ist Bestandteil heute nostalgisch verklärter historischer Stadtarchitektur:
Die Mauer fungierte dabei als dauerhafte Grenze, die das Drinnen der Stadt vom bedrohlichen Draußen trennt, das Tor andererseits als eine zeitlich und räumlich punktuell offene Stelle eines Mauerwerks, das dauerhaft Ordnung herstellt. Die Identität der historischen Stadt ist durch Mauer und Tor, also statische Grenzen und fix installierte Tore geprägt.
TRANS reagiert auf den Umstand, daß wir nicht mehr in solchen Städten und in solchen Grenzen leben:
Das auf zwei Ebenen aufgebaute gläserne Tor, das durch zwei selbstständige, aber doch aufeinander bezogene Torflügel gebildet wird, versteht die Stadtmauer und das Tor als transitorische Orte, als Membranen, welche Öffnung und Abgrenzung gleichermaßen ermöglichen.
Das Tor wirkt auf den ersten Blick durchsichtig und offen und ist doch, zumindest auf den zweiten Blick, unpassierbar. So wird die Ordnung der Dinge umgekehrt: die gläserne Sperre gibt den Blick frei auf das, was die Mauer verbirgt, und sie läßt den Durchgang, das Transitorische zum eigentlichen Zweck werden.
Das gläserne Tor ist von allen vier Seiten aus passierbar und der Passant, der es durchschreitet, wird mit sich selbst konfrontiert: halbverspiegeltes Glas ermöglicht eine doppelte innere Wahrnehmungs-Bewegung: hin auf sich selbst und auf ein Anderes jenseits der gläsernen Sperre.

SMF 1999